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LEGO & Society

Lernen Sie den Experten des LEGO Learning Institute Dr. Thomas Wolbers kennen

Thomas Wolbers gehört seit 2009 zum LEGO Learning Institute und berichtet in dieser Funktion, wie das menschliche Gehirn räumliche Informationen verarbeitet und wie diese Informationen im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Bei seinen Untersuchungen nutzt er bildgebende Verfahren zur Darstellung der funktionalen und strukturellen Gehirnaktivität, stimulierende virtuelle Umgebungen und Aufzeichnungen der Augenbewegungen. In diesem Interview für die LEGO Website spricht Dr. Wolbers über sein Verhältnis zum LEGO Learning Institute und der LEGO Group sowie über die besonderen zukünftigen Herausforderungen, die auf die Kinder von heute zukommen.

Umreißen Sie bitte kurz Ihren Hintergrund und Ihr Forschungsgebiet?
Ich bin Dozent an der Universität von Edinburgh. Genauer gesagt, arbeite ich als Forscher im Zentrum für kognitive und neuronale Systeme. Unsere große Forschungsgruppe versucht, die Funktionsweise des Gehirns zu ergründen und zu verstehen, wie seine Aktivität komplexe mentale Funktionen wie Lernen und Gedächtnis ermöglicht, was geschieht, wenn die Dinge schiefgehen, d. h. wenn jemand einen Hirnschaden davongetragen oder eine Krankheit wie etwa Alzheimer bekommen hat, die sich auf das Gehirn auswirkt. Bei meiner Arbeit verwende ich moderne bildgebende Verfahren, um festzustellen, wie das menschliche Gehirn räumliche Informationen aus unterschiedlichen sensorischen Signalen, z. B. Sicht, Berührung und Gehör, verarbeitet. Wenn wir beispielsweise in einer uns unbekannten Stadt sind, unser Auto parken und eine Weile umherlaufen, wie verfolgen wir dann, wo wir uns befinden, wo wir das Auto abgestellt haben und wie wir dorthin zurückgelangen? Es hat sich herausgestellt, dass diese Dinge extrem komplex sind. Das Gehirn muss unsere eigenen Bewegungen, auffallende Objekte in der Umgebung etc. kontinuierlich überwachen. Interessanterweise verfügen kleine Kinder bereits über sehr ausgeprägte Navigationsfähigkeiten, verwenden jedoch in verschiedenen Altersstufen ganz unterschiedliche Strategien.

Seit wann arbeiten Sie für das LEGO Learning Institute und wie kam es dazu?
Vor meinem Umzug nach Edinburgh war ich Forscher an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. Bei einem der Projekte, an denen ich gearbeitet habe, ging es darum, wie Blinde Raum durch Berührungen erfassen. Da meine Versuche in der Regel innerhalb eines MRT-Geräts stattfinden, haben wir nicht viel Platz und die Studienteilnehmer müssen still liegen. Daher beschlossen wir, blinde Teilnehmer das Layout kleiner Gebäude – ähnlich Architekturmodellen – durch Berühren mit den Händen ergründen zu lassen. Es dauerte nicht lang, bis uns auffiel, dass LEGO Steine ideal für den Bau unserer Versuchsgebäude geeignet waren. Das Unternehmen LEGO war schnell bei der Hand, uns bei unserer Studie zu helfen, und versorgte uns mit jeder Menge LEGO Steinen.

Was ist Ihrer Meinung nach einzigartig an LEGO Spielzeug?
Die Vielseitigkeit. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich sehe, was für faszinierende Kreaturen, Gebäude etc. beim Spielen mit den simplen LEGO Steinen erschaffen werden. So ein einfacher Baustein, der mit jedem anderen LEGO Stein verbunden werden kann, scheint die Kreativität in einer wahrhaft bemerkenswerten und einzigartigen Weise anzuregen.

Wie war es, mit der LEGO Group zu arbeiten? Was haben Sie dabei gelernt?
Die Arbeit mit der LEGO Group war sehr schön, und ich war sehr beeindruckt von dem echten Interesse, mit dem das Unternehmen zu verstehen sucht, wie seine Produkte die Entwicklung kleiner Kinder fördern kann. Ein einer Welt, in der es für viele Unternehmen nur noch um die Maximierung der Unternehmenswerte zu gehen scheint, sind viele Entscheidungen auf das Erwirtschaften kurzzeitiger Profite ausgerichtet. Ich war daher positiv überrascht, bei einem internationalen Riesen wie der LEGO Group eine langfristige Perspektive und umfassende Investitionen in Dinge wie grundlegende wissenschaftliche Forschung zu erleben, die möglicherweise keine sofortige Kapitalrendite bringen.

Welche Herausforderungen und Möglichkeiten hält die Zukunft Ihrer Meinung nach für die Kinder von heute, also die Baumeister von morgen, bereit?
Ich sehe da zwei Hauptherausforderungen: Die Informationsmassen und die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung. Die Menge der Informationen, die uns über das Internet zur Verfügung steht, ist inzwischen so gigantisch, dass es immer schwieriger werden wird, genau die Informationen zu finden, die man in einer bestimmten Situation benötigt. Zudem veraltet das Wissen, das wir heute erlernen, sehr schnell. Unsere Kinder werden ihren Wissensstand daher kontinuierlich aktualisieren müssen, um in einer globalen Wirtschaft bestehen zu können. Diese beiden Herausforderungen können jedoch auch als Chancen wahrgenommen werden: Sie ermöglichen es uns, neue Informationen in kürzester Zeit zur erstellen, zu verteilen und mit einem riesigen Publikum auszutauschen. Anders ausgedrückt: Unsere Kinder werden von gleichgesinnten Menschen auf der ganzen Welt lernen können und mit diesen interagieren. Dies kann eine wirklich aufregende Chance sein.

Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sehen Sie, wenn Sie die Bedingungen vergleichen, unter denen Kinder heute aufwachsen bzw. früher aufgewachsen sind?
Ich glaube, für Kinder war und wird es immer wichtig sein, in einer liebevollen Umgebung aufzuwachsen, die Sicherheit bietet und das Selbstvertrauen stärkt. Es dürfte jedoch interessant sein, zu beobachten, wie sich die Art und Weise, Freundschaften zu schließen und zu pflegen im Angesicht von Phänomenen wie Facebook verändern wird. Aber sie werden weiterhin Freunde brauchen, mit denen sie Spaß haben und über alles reden können, und ich bin mir nicht sicher, ob ein Freund, mit dem man nur per Computer Kontakt hat, all diese Bedürfnisse erfüllen kann.

Wenn Sie Betreuern (Eltern und Großeltern) genau einen Rat mit auf den Weg geben könnten, welcher wäre das?
Kleine Kinder besitzen eine bemerkenswerte Fähigkeit, die viele Erwachsene anscheinend verloren haben: natürliche Neugier. Kinder lieben es, die Welt zu erkunden. Und das ist auch der beste Weg für sie, die Welt und ihre Funktionsweise zu verstehen. Dieser Vorgang kann ihnen sogar das Wissen vermitteln, das sie benötigen, um die Welt zu ändern. Zwar kann das manchmal sehr aufreibend sein (wie ich nur zu gut aus der Erfahrung mit unserer kleinen Tochter weiß), aber ich glaube, dass die Unterstützung ihrer natürlichen Neugier die beste Methode ist, ihnen Freude am Lernen zu vermitteln, die ihnen hoffentlich lange erhalten bleibt.

Weitere Informationen über das LEGO Learning Institute finden Sie unter folgendem Link: LEGO Learning Institute




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